Factur-X / ZUGFeRD: Hybrid-PDF mit XML, welches Profil, wann sinnvoll
Factur-X (Frankreich) und ZUGFeRD (Deutschland) sind dasselbe Format unter zwei Namen: ein PDF/A-3 mit eingebettetem CII-XML. Lesbar für den Empfänger, maschinenlesbar für seine Buchhaltung. Welches Profil du wählst, wann das Hybrid besser passt als reine XRechnung und wo die Validatoren typischerweise stolpern, steht hier.
Factur-X und ZUGFeRD sind dasselbe Format mit zwei Namen: ein PDF/A-3 mit eingebettetem CII-XML, identisch für Mensch und Maschine lesbar. Fünf Profile (MINIMUM bis EXTENDED), aber nur drei davon sind EN16931-konform und damit gesetzlich gültige E-Rechnung. Im Mittelstand der sichere Default, weil jeder Empfänger es als PDF öffnen kann, selbst ohne XRechnung-Visualisierer.
Was Factur-X / ZUGFeRD ist
Ein Hybrid-Rechnungsformat: ein PDF/A-3-Dokument mit einer maschinenlesbaren XML-Datei im Anhang. Das Sichtbild ist die normale Rechnungs-PDF für Menschen, das eingebettete XML ist die strukturierte EN16931-konforme Variante für Software.
Verwaltet wird das Format zweischenkelig:
- ZUGFeRD: Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland. Aktuell in Version 2.3 (Stand 2026), gepflegt vom FeRD.
- Factur-X: französisches Pendant, gepflegt vom FNFE-MPE (Forum National de la Facture Électronique). Aktuell in Version 1.0.7.
Seit ZUGFeRD 2.1 / Factur-X 1.0 sind die Profile inhaltlich identisch. Wer ZUGFeRD-Profil EN16931 erzeugt, kann es 1:1 als Factur-X-EN16931 nach Frankreich liefern. Die Profil-Bezeichnungen wurden für die nächste Major-Version vereinheitlicht.
Wie das Hybrid-PDF technisch funktioniert
PDF/A-3 erlaubt es, beliebige Dateien als Anhänge in einem PDF einzubetten, ähnlich einer ZIP-Datei, aber innerhalb des PDF-Standards. Factur-X / ZUGFeRD nutzt diese Funktion mit drei Regeln:
- Die XML-Datei heißt genau
factur-x.xml(oder bei älteren ZUGFeRD-Versionenzugferd-invoice.xml). - Die Beziehung des Anhangs zum PDF ist als
/AFRelationship /Alternativemarkiert. Das XML ist eine alternative Repräsentation derselben Rechnung, nicht ein separates Dokument. - Das XML-Schema ist UN/CEFACT CII D16B mit EN16931-Erweiterungen.
Empfänger öffnen die PDF und sehen eine normale Rechnung. ERP-Systeme öffnen das gleiche PDF, lesen das eingebettete XML und buchen automatisiert. Beide Seiten arbeiten mit derselben Datei.
Die fünf Profile
ZUGFeRD definiert fünf Profile, die sich darin unterscheiden, wie viele Pflichtfelder aus EN16931 sie abdecken. Nur drei davon zählen für die deutsche E-Rechnungspflicht:
| Profil | Was es enthält | EN16931-konform? |
|---|---|---|
| MINIMUM | Nur Rechnungs-Header (Aussteller, Empfänger, Gesamtbetrag, Datum). Keine Positionen. | Nein, gilt rechtlich als „sonstige Rechnung". |
| BASIC WL | Header + Steuerinformationen, aber Without Lines (ohne Positionsdaten). | Nein, unterschreitet EN16931. |
| BASIC | Header + Positionen + Steuerdaten. Schmaler EN16931-Kern. | Ja, Mindeststandard für E-Rechnungspflicht. |
| EN16931 (COMFORT) | Volle EN16931-Compliance, inklusive Skonto, Zuschläge, alle steuerlichen Sonderfälle. | Ja, der sichere Default. |
| EXTENDED | EN16931 + branchenspezifische Felder (Speditionsdaten, Skontostaffeln, mehrstufige Lieferadressen). | Ja, aber Overkill für Standardfälle. |
Factur-X vs XRechnung: wann was
Beide Formate erfüllen EN16931. Die Wahl hängt vom Empfänger und vom Workflow ab:
| Factur-X / ZUGFeRD | XRechnung | |
|---|---|---|
| Format | PDF/A-3 + eingebettetes CII-XML | Reines XML (UBL oder CII), kein PDF |
| Lesbar für Menschen | Ja, direkt im PDF-Reader | Nein, braucht Visualisierer |
| B2G (öffentliche Hand) | Eingeschränkt, je Empfänger | Pflicht-Default seit 2020 |
| B2B Mittelstand | Default-Empfehlung | Wenn Empfänger es explizit fordert |
| Internationaler Versand | FR (als Factur-X), DACH, BeNeLux | Hauptsächlich Deutschland |
| Dateigröße | 50–200 KB (PDF + XML) | 5–30 KB |
Faustregel: für jeden Empfänger, von dem du nicht weißt ob er strukturiert verarbeiten kann, ist Factur-X die sicherere Wahl. Für Empfänger mit klarer XRechnung-Vorgabe (vor allem öffentliche Hand) bleibt XRechnung der direkte Weg. Mehr zu XRechnung im Detail.
Aufbau einer Factur-X-Datei (Auszug)
Das eingebettete XML folgt CII D16B mit EN16931-Constraints. Ein vereinfachter Header:
Der entscheidende Marker ist die GuidelineSpecifiedDocumentContextParameter/ID. Sie sagt dem Empfänger, gegen welches Profil zu validieren ist. Bei BASIC steht hier urn:factur-x.eu:1p0:basic, bei EN16931 urn:cen.eu:en16931:2017, bei EXTENDED urn:factur-x.eu:1p0:extended.
Drei häufige Stolperfallen
1. PDF-Bild und XML widersprechen sich
Das PDF-Sichtbild und das eingebettete XML müssen denselben Inhalt zeigen. Wenn dein Generator das XML aus den Stamm-Daten erzeugt, das PDF aber aus einem manuell editierten Template, drifften die beiden auseinander. Empfänger mit Validierung lehnen die Rechnung ab. Formal eine Diskrepanz, materiell ein Betrugs-Verdacht.
2. PDF/A-3 ist nicht PDF/A-1
Nur PDF/A-3 erlaubt Datei-Anhänge. Ältere PDF-Generatoren produzieren PDF/A-1 oder PDF/A-2 ohne Einbettungs-Support. Das Ergebnis ist eine normale PDF, in der die XML zwar irgendwie drinhängt, aber nicht standardkonform referenziert ist. Konformer Validator wird das nicht akzeptieren.
3. Schematron-Regeln werden ignoriert
EN16931 hat über das pure XSD-Schema hinaus Schematron-Regeln (Geschäftsregeln, z. B. „der Brutto-Betrag muss der Summe der Netto-Beträge plus Steuern entsprechen"). Viele Generatoren produzieren schema-valides XML, das aber Schematron-Regeln verletzt. Vor dem ersten Live-Versand: gegen den KoSIT-Validator oder ein äquivalentes Tool prüfen.
Häufige Fragen
Sind ZUGFeRD und Factur-X dasselbe?
Praktisch ja. Beide basieren auf demselben Standard: ein PDF/A-3 mit eingebettetem UN/CEFACT CII-XML. ZUGFeRD ist der deutsche Markenname (verwaltet vom FeRD, Forum elektronische Rechnung Deutschland), Factur-X der französische (FNFE-MPE). Seit ZUGFeRD 2.1 / Factur-X 1.0 sind die Profile bis auf Ebene der Schematron-Regeln identisch und maschinenlesbar kompatibel.
Welche ZUGFeRD-Profile sind EN16931-konform?
Konform: BASIC, EN16931 (früher COMFORT) und EXTENDED. Nicht konform: MINIMUM und BASIC WL. Für die deutsche E-Rechnungspflicht ab 2025 muss das Profil mindestens BASIC sein.
Kann ich Factur-X / ZUGFeRD an deutsche Behörden senden?
Eingeschränkt. Bund und die meisten Bundesländer akzeptieren ausschließlich XRechnung über ZRE (Zentrale Rechnungseingangsplattform) oder OZG-RE. ZUGFeRD wird zunehmend ergänzend akzeptiert, du musst aber die spezifische Empfänger-Stelle prüfen. Für reine B2G-Rechnungen bleibt XRechnung der sichere Default.
Was ist der Vorteil gegenüber reinem XRechnung-XML?
Lesbarkeit. Ein Factur-X / ZUGFeRD-PDF kann jeder Empfänger im PDF-Reader sehen, Visualisierung ist eingebaut. Pure XRechnung-XML braucht einen Visualisierer. In gemischten Workflows (manche Empfänger automatisiert, manche nicht) ist das Hybrid-Format die sicherere Wahl.
Wie überprüfe ich, ob ein Factur-X-PDF korrekt ist?
Drei Stufen: PDF-Reader öffnen, kannst du im Anhang die `factur-x.xml` sehen? XML extrahieren und gegen das EN16931-XSD validieren. Schematron-Regeln laufen lassen. Viele Anbieter liefern Profile-konformes XML, scheitern aber an Schematron-Regeln wie korrekter VAT-Berechnung pro Position.
Brauche ich für jeden Empfänger ein anderes Profil?
Praktisch nein. EN16931 ist der sichere Mittelweg. Empfänger mit BASIC-Anforderung akzeptieren auch EN16931 (Obermenge). EXTENDED ist nur sinnvoll für branchenspezifische Felder, die EN16931 nicht abdeckt. Wenn du nichts Spezielles brauchst: EN16931 ist die Default-Empfehlung.
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