Peppol BIS 3.0 erklärt: drei Schichten, ein Netzwerk, und wann du es wirklich brauchst
„Peppol-kompatibel" steht auf jeder zweiten E-Rechnungs-Software. Was das tatsächlich heißt, ist meist unklar. Peppol ist drei verschiedene Dinge gleichzeitig: ein Datenformat, ein Übertragungs-Netzwerk und eine Vertragsorganisation. Die meisten brauchen heute nur das erste, manche alle drei.
Was ist Peppol eigentlich?
Peppol steht für „Pan-European Public Procurement Online" und ist ursprünglich ein EU-Forschungsprojekt aus 2008 mit dem Ziel, grenzüberschreitende öffentliche Beschaffung zu vereinheitlichen. Heute ist Peppol kein EU-Projekt mehr, sondern ein internationales Netzwerk, das von der gemeinnützigen Vereinigung OpenPeppol mit Sitz in Brüssel betrieben wird.
Peppol macht eines: strukturierte Geschäftsdokumente verlässlich zwischen Unternehmen und Behörden transportieren. Vor allem Rechnungen, aber auch Bestellungen, Lieferscheine, Katalogdaten und Versandbenachrichtigungen. Statt dass jedes Unternehmen mit jedem anderen Unternehmen ein eigenes Datenformat aushandelt (klassisches EDI), nutzt Peppol einen weltweit standardisierten Stack.
Die Verwirrung beginnt damit, dass „Peppol" im Sprachgebrauch gleich drei Sachen meinen kann.
Die drei Schichten von Peppol
Um zu verstehen, was du brauchst, musst du die Schichten auseinander halten:
Peppol BIS 3.0, das Datenformat
Peppol BIS 3.0 Billing ist heute die maßgebliche Spezifikation für Rechnungs-XML im Peppol-Kontext. Sie basiert auf:
- EN 16931, die europäische Norm für elektronische Rechnungen. Definiert über 160 Geschäftsfelder und ihre Verhaltensregeln.
- UBL 2.1 (Universal Business Language), die XML-Syntax-Schicht. Definiert die XML-Element-Struktur.
- Peppol-Schematron-Regeln, zusätzliche Validierungs-Regeln spezifisch für das Peppol-Netzwerk.
Praktisch heißt das: eine Peppol-BIS-3.0-Rechnung sieht einer XRechnung sehr ähnlich, beide sind UBL-XML mit EN-16931-Pflichtfeldern. Die Unterschiede sind subtil:
- XRechnung hat zusätzliche CIUS-Regeln für Deutschland (z.B. Leitweg-ID Pflicht).
- Peppol BIS hat eigene Validierungen für die Netzwerk-Übertragung (z.B. EndpointID Pflicht).
- Wer beide bedient: ein einziges EN-16931-konformes XML reicht oft, mit kleinen Anpassungen pro Empfänger.
Das Peppol-Netzwerk und Access Points
Das Peppol-Netzwerk funktioniert nach dem 4-Corner-Modell:
- Sender (du als Rechnungssteller) erstellt die Peppol-BIS-XML.
- Sender-AP (dein Access Point) nimmt die XML entgegen, signiert sie, leitet sie weiter.
- Empfänger-AP nimmt die XML aus dem Netzwerk entgegen, prüft die Signatur, leitet sie weiter.
- Empfänger erhält die XML in seinem Buchhaltungs- oder ERP-System.
Der Empfänger wird über eine Peppol-ID identifiziert. Das ist ein Identifier-Format aus zwei Teilen, getrennt durch einen Doppelpunkt: ein Issuer-Code (z.B. 9930 für deutsche USt-ID, 0088 für GLN-Nummer) und die eigentliche Kennung. Beispiel: „0088:1234567890128" für eine deutsche GLN-Nummer.
Die Liste aller Empfänger im Peppol-Netzwerk wird in einem zentralen Verzeichnis geführt, dem Service Metadata Locator (SML). Wenn du sendest, fragt dein AP den SML ab: „Ist diese Peppol-ID im Netzwerk? Wenn ja, welcher AP empfängt für sie?" Die Antwort ist binär, entweder ja oder nein. Nur eingetragene Empfänger können Peppol-Nachrichten empfangen.
Access-Point-Provider in Deutschland
Einige bekannte AP-Anbieter, die in Deutschland aktiv sind:
- Basware, B2B-AP mit ERP-Integration, eher für größere Unternehmen.
- Tradeshift, internationaler AP mit Cloud-Plattform.
- SAP Ariba, in SAP-ERP-Umgebungen integriert.
- Storecove, niederländischer Anbieter mit deutscher Niederlassung.
- ecosio, österreichischer AP, oft im DACH-Mittelstand.
- Avalara, US-Anbieter mit EU-Tochter.
- SEEBURGER, deutscher EDI-Anbieter mit Peppol-Modul.
OpenPeppol als Organisation
OpenPeppol AISBL ist die Vereinigung, die das Peppol-Netzwerk und die Standards verwaltet. Sitz in Brüssel, Mitgliederversammlung jährlich. Stand 2026 sind etwa 600 Organisationen Mitglied: Behörden, Software-Anbieter, AP-Provider, große Unternehmen.
Du als Endkunde wirst typischerweise kein direktes Mitglied. Du nutzt das Netzwerk über deinen AP, der die Mitgliedschaft hält. Wer eigene AP-Software entwickeln will, muss OpenPeppol beitreten und seine Software zertifizieren lassen. Das dauert mehrere Monate und kostet Mitgliedsbeiträge im niedrigen vierstelligen Bereich pro Jahr.
Wann brauchst du Peppol wirklich?
Die meisten deutschen B2B- und B2G-Rechnungssteller können ohne Peppol-Netzwerk-Anschluss leben. Hier eine Entscheidungs-Tabelle:
| Situation | Brauchst du Peppol-Netzwerk? |
|---|---|
| DE-B2G-Rechnungen an Bund / Länder | Nein. XRechnung per E-Mail oder via ZRE/OZG-RE reicht. Peppol nur optional. |
| DE-B2B-Rechnungen ab 2027 (Wachstumschancengesetz) | Nein. XRechnung, ZUGFeRD oder Peppol BIS per E-Mail reicht. |
| Rechnungen an EU-Großkonzerne mit Peppol-Anschluss | Praktisch ja. Diese fordern oft Peppol-Übermittlung als Voraussetzung für schnelle Bezahlung. |
| Rechnungen an norwegische Behörden | Ja. Norwegen hat Peppol als verpflichtenden Kanal für B2G. |
| Rechnungen an belgische / niederländische Behörden | Ja, häufig. Beide Länder bevorzugen oder verlangen Peppol-Netzwerk. |
| Australia / New Zealand / Singapore B2G | Ja. Diese Länder haben Peppol nativ übernommen. |
| Kleinerer EU-Cross-Border B2B | Optional. E-Mail mit Peppol-BIS-XML reicht oft. |
Anders gesagt: Wenn deine Kunden nicht explizit Peppol-Netzwerk-Übermittlung verlangen, brauchst du sie heute nicht. Mit ViDA 2030 wird die EU-weite Echtzeit-Meldung über standardisierte Schnittstellen verpflichtend, was Peppol-ähnliche Übertragungs-Infrastruktur indirekt mit aufwertet, aber kein expliziter Peppol-Zwang ist.
Peppol-Nutzung pro EU-Land
| Land | Peppol-Nutzung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Norwegen | Pflicht für B2G seit 2019 | EHF, die norwegische CIUS, über Peppol-Netzwerk. |
| Belgien | Pflicht ab 2026 für B2B | UBL-PEPPOL als Standardformat. |
| Niederlande | Pflicht für Rijksoverheid | NL-CIUS, alle staatlichen Aufträge laufen über Peppol. |
| Schweden | Pflicht seit April 2019 | SFTI-CIUS, B2G. |
| Finnland | Pflicht seit April 2020 | EU-B2G-Vorgabe nativ umgesetzt. |
| Dänemark | Pflicht für B2G + Schule | OIOUBL als nationale Erweiterung. |
| Deutschland | Optional | XRechnung ist primärer Kanal, Peppol als Alternative anerkannt. |
| Frankreich | Optional | Chorus Pro ist Pflichtkanal, Peppol als Submission-Variante via PDP. |
| Italien | Eigener Kanal | SDI ist das Pflicht-Netzwerk, kein Peppol. |
| Polen | Eigener Kanal | KSeF ab 2026 verpflichtend. |
Peppol BIS vs XRechnung vs Factur-X
Drei Formate, alle auf EN-16931-Basis, gemeinsame DNA, verschiedene Anwendungs-Geltungsbereiche:
| Aspekt | Peppol BIS 3.0 | XRechnung 3.0 | Factur-X 1.0 |
|---|---|---|---|
| Region | International, vor allem EU | Deutschland | Frankreich + DACH |
| Format-Typ | UBL-XML | UBL-XML oder CII-XML | Hybrid PDF/A-3 + CII-XML |
| Pflicht-Identifier | EndpointID (Peppol-ID) | Leitweg-ID (BT-10) bei B2G | Keine spezifische Pflicht-ID |
| Validator | OpenPeppol Schematron | KoSIT Schematron | FNFE-MPE Validator |
| Übertragung | Peppol-Netzwerk via AP | E-Mail, ZRE, OZG-RE, optional Peppol | E-Mail, Chorus Pro |
| Pflicht für | B2G in NO, BE, NL, FI, SE, DK | B2G in DE seit 2020, B2B ab 2025-2028 | B2G in FR, B2B in FR ab 2026-2027 |
Wer ein einziges EN-16931-konformes XML produzieren kann, kann mit kleinen Anpassungen alle drei Empfänger bedienen. Die Anpassungen liegen in den jeweiligen Pflicht-Identifiern (Leitweg-ID, Peppol-ID) und im Übermittlungs-Kanal (E-Mail, Plattform-Portal, Peppol-AP).
Häufige Fragen
Was ist Peppol?
Peppol (Pan-European Public Procurement Online) ist ein internationales Netzwerk für den elektronischen Austausch von Geschäftsdokumenten, vor allem Rechnungen. Es wird von der OpenPeppol-Vereinigung mit Sitz in Brüssel betrieben. Peppol bietet drei Dinge: einen standardisierten Daten-Format (Peppol BIS), ein Netzwerk zur Übertragung (Peppol Network) und ein verbindliches Regelwerk für teilnehmende Access Points.
Was ist der Unterschied zwischen Peppol BIS und Peppol-Netzwerk?
Peppol BIS ist das Datenformat, also wie eine Rechnung strukturiert sein muss. Peppol-Netzwerk ist die Übertragungsschicht, also wie die Datei vom Absender zum Empfänger gelangt. Beides sind separate Dinge. Du kannst Peppol-BIS-konforme XML-Rechnungen per E-Mail versenden, ohne das Peppol-Netzwerk zu nutzen.
Was ist ein Peppol Access Point?
Ein Access Point (AP) ist ein zertifizierter Dienstleister, der dich mit dem Peppol-Netzwerk verbindet. Statt selbst die komplexe Übertragungs-Logik zu implementieren, lädst du deine Peppol-BIS-Rechnung beim AP hoch (typischerweise via API oder Webportal), und der AP leitet sie über das Peppol-Netzwerk an den Empfänger weiter.
Brauche ich Peppol für deutsche B2G-Rechnungen?
Nein, nicht zwingend. Die deutsche Bundesverwaltung akzeptiert XRechnungen (die ein Peppol-BIS-konformes Format sind) auch per E-Mail-Anhang oder via OZG-RE und ZRE. Peppol ist eine Alternative, kein Pflichtkanal. In Norwegen und Belgien ist Peppol-Netzwerk-Nutzung praktisch verpflichtend für viele B2G-Lieferanten.
Wer nutzt Peppol heute?
Die meisten europäischen Behörden, viele Großkonzerne, der britische NHS, die australische und neuseeländische Verwaltung. In Deutschland nutzen es zunehmend größere Unternehmen für grenzüberschreitende Rechnungen. Singapore und Japan haben Peppol als nationalen Standard übernommen. Insgesamt sind über 1.500 Organisationen weltweit ans Peppol-Netzwerk angeschlossen.
Was kostet ein Peppol Access Point?
Kosten variieren stark. Kleine Volumen (unter 100 Rechnungen pro Monat) starten bei rund 20 bis 50 Euro pro Monat plus Volumengebühr. Größere Volumen mit ERP-Integration kosten 200 bis 1.000 Euro pro Monat. Manche Access Points rechnen pro übermitteltem Dokument ab (0,10 bis 0,50 Euro pro Stück), andere pauschal. Die Initial-Einrichtung mit Zertifikat dauert 1 bis 4 Wochen.
Ist Vera ein Peppol Access Point?
Nein. Vera generiert Peppol-BIS-3.0-konformes XML im Browser, das du dann per E-Mail oder über deinen eigenen Access-Point-Provider versenden kannst. Wir sind kein zertifizierter Access Point und behaupten das nicht. Wer Peppol-Netzwerk-Übermittlung braucht, kombiniert Vera mit einem AP-Anbieter wie ecosio, Storecove oder Basware.
Peppol-BIS-XML aus dem Browser
Vera erstellt Peppol-BIS-3.0-konformes XML für 29 EU-Länder. Du kannst es per E-Mail versenden oder an deinen Access Point übergeben.
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